Mai 25, 2019

Roadtrip durch Australien - Canberra

Ende der Austrailenreise.

Roadtrip durch Australien - Canberra

Und dann gings wieder zurück. Zurück über die Eisenstege, durch die triste Landschaft. Von links hörte ich auf einmal ein Geräusch und dort konnte ich, zum ersten Mal in meinem Leben, einen Steinbock erblicken oder seinen australischen Bruder. Damit hätte ich dort auch nicht gerechnet. Ich würde in zwei Tagen Australien verlassen und hatte in der kurzen Zeit, in der ich dort war, wirklich fast alles in freier Wildbahn gesehen. Allerdings keinen Koala, was mich sicherlich gefreut hätte und Schlangen und Spinnen, was eventuell nicht ganz so cool gewesen wäre.
Es waren nicht mehr viele Menschen unterwegs, da der Sessellift bereits geschlossen hatte und keiner solche Ambitionen wie wir hatte, den Berg wieder herunter zu laufen. Des Weiteren wurde es wirklich kalt dort oben und Sonne war auch keine zu sehen. Die erdrückende, graue Wolkendecke war dicht über uns und schloss uns fast ein. Es fehlten nur noch die Pferde um zu vermuten, dass man plötzlich in einer Folge Game of Thrones gelandet wäre, bei der gerade die Leute irgendwo durchs Nirgendwo reiten und man weiß, dass demnächst irgendwas schlimmes passieren wird. Was bei uns glücklicherweise nicht der Fall war. Aber ein Schreck sollte uns trotzdem noch eingejagt werden.

Kurz nach der Liftstation, an einem steilen Bergstück, kam auf einmal eine Fahrradfahrerin an uns vorbeigeschossen. Sie hielt vor uns an und fragte, ob wir die Brownsnake gesehen hätten, welche gerade zwei Meter hinter uns die Straße überquert hätte. "Ehm nein, war da eine?", fragte ich und sie nickte nur und fuhr weiter. Wer nicht weiß, was eine Brownsnake ist: Es sind die gefährlichsten Schlangen Australiens.
Ich habe ja immer gesagt, dass ich keine Schlangen gesehen habe, was schließlich auch stimmt. Ich habe sie ja nicht gesehen. Getroffen aber wahrscheinlich schon.
Danach hörte ich überall angebliche Schlangen. Es waren zwar nur Grillen, denn ich glaube nicht, dass man Schlangen hört, aber wir waren ein wenig paranoid, von diesem Zeitpunkt an. Aber wie man immer so schön sagt: Nur, weil du paranoid bist, heißt das noch lange nicht, dass du nicht verfolgt wirst.
Nachdem wir es den Weg herunter geschafft hatten, war Bart ganz schön kaputt, da er das Wandern nicht so gewöhnt ist und ja, ich muss zugeben, ich auch. Den Berg runter ist es halt meistens viel anstrengender als hoch. Das sehen viele zwar anders, aber ich würde das definitiv unterschreiben.
Wir mussten heute noch Canberra erreichen, da ich bereits einen Bus bzw. Zug zurück nach Melbourne gebucht hatte. Also lagen auch wieder einige Kilometer vor uns. Am letzten Tag sangen wir wieder aus vollen tönen, während uns LKW drängelten, Kängurus am Straßenrand spazierten, es - seitdem ich in Australien ankam - das erste Mal regnete und ein Regenbogen am Horizont den Weg zum Goldschatz zeigte.
John Farnham - You're The Voice stand heute auf dem Fahrplan.

You're the voice, try and understand it.
Make a noise and make it clear:
Oh-wo-wo-wo, oh-wo-wo-wo.
We're not gonna sit in silence.
We're not gonna live with fear:
Oh-wo-wo-wo, oh-wo-wo-wo.

Nachdem das Lied mindestens zum achtunddreißigsten mal lief, wurde aus dem Oh-wowowowow dann eher der Kampfschrei eines Ureinwohners, aber auch das war okay. Schließlich war heute der letzte Tag auf der Straße oder der vorletzte Tag im großen Down Under.

We're all someone's daughter,
We're all someone's son.
How long can we look at each other?
Down the barrel of a gun?

Wir kamen immer näher an unser Ziel. Das erkannte man daran, dass nach und nach wieder Radiosender zur Verfügung standen und man auch das erste Mal wieder Handyempfang hatte. Sobald man außerhalb der Ballungszentren ist, gibt es meistens nicht mal Radio.
Als die Dämmerung einsetzte, sahen wir die ersten Ausläufer von Canberra. Also wir dachten, dass es die Ausläufer wären. Aber es war bereits die Stadt. Ich hatte bisher in Australien nur Großstädte gesehen. Das hingegen war ein Dorf und dazu ein nicht allzu schönes.
Wir hatten am nächsten Morgen noch kurz die Chance die Stadt anzuschauen und außer dem geplanten Innenstadtbereich, dem Capital Hill, mit dem Parlament, gibt es dort nichts zu sehen, außer perfekt geführte Autobahnen rings um die Stadt. Später durfte ich von einer netten Deutschen noch erfahren, dass es ganze zwei Straßenbahnen Linien gibt, die nur tagsüber agieren genau wie der Nahverkehr. Man kommt nach acht angeblich nirgends mehr hin. Also tatsächlich ein Dorf.
Deshalb suchten wir uns einen Campingplatz außerhalb der Stadt. Deshalb oder weil es in der Stadt nur Hostels gab und wir dafür kein Geld ausgeben wollten. Dort angekommen, gab es keinen Campingplatzwart oder sowas Ähnliches. Es gab nur eine Kasse des Vertrauens, wie ich es später oft sehen würde. Bart wollte nicht bezahlen. "Na klar", wusste ich genau. "Das sind die polnischen Gene." (Hier bitte wieder jeglichen Lachsmiley deiner Wahl einfügen). An diesem Tag wollte ich aber unbedingt, dass er bezahlt, da ich das angemessen fand. Wie oft ich später an solchen Campingplötzen selber nicht bezahlen sollte, erzähle ich euch ein andermal.
Da es unser letzter Abend war, gönnten wir uns noch ein paar Bier. Ach und eine Dusche. Also jeder einzeln. Ich hatte seit Beginn unseres Roadtrips nicht geduscht oder auch sonst keinen Kontakt zu fließendem Wasser. Bart wahrscheinlich auch nicht, denn wir hatten keine Möglichkeit dazu. Was man zu Hause irgendwie komisch fände, ist dort völlig normal. Die Dusche nach den Tagen fühlt sich auch nicht anders an als normalerweise und ich glaube, in der Zwischenzeit habe ich auch noch deutlich längere Perioden ohne duschen verbracht. Wenn alle gleich stinken, stört es keinen mehr. Wie sich Prioritäten im Leben ändern ist durchaus interessant zu beobachten.
Danach ging es ins Bett, doch für mich sollte es noch eine abenteuerliche Nacht werden.
Etwa eine Stunde nach dem ich ins Zelt gegangen bin, hörte ich, wie es zu regnen begann. Am Anfang dachte ich mir nichts dabei, denn was soll ein bisschen Regen meinem tollen Baumarktzelt schon anhaben? Hoffentlich nichts. Aber da täuschte ich mich.
Der Regen wurde immer stärker und stärker und wollte auch nicht aufhören. Nach einer weiteren Stunde war mein Zelt einfach vollgelaufen und ich stand vor einer schwierigen Entscheidung: Versuchen weiterzuschlafen oder irgendwie in Sicherheit gelangen. Das Wasser kam nun nicht mehr in Tropfen, sondern in Linien vom Himmel geschossen und ich entschied mich für die zweite Option. Also nichts wie raus und alle Sachen Richtung Klo transportiert. Darüber einfach Bart zu wecken und alles ins Auto zu schaffen, dachte ich irgendwie nicht nach. Wieso auch? Wäre ja viel zu einfach. Nachdem ich alles im Klo verstaut hatte, außer dem Zelt, denn das war nicht mehr zu retten, stand ich da nun. Ich fluchte vor mich hin:" Mein letzter Tag in Australien und dann muss es auch noch regnen. Und hört das denn nicht mal auf? Soll ich jetzt im Klo schlafen?". Doch dann begann ich dem Regen zu lauschen und es klang wunderbar. Was soll man auch machen? Man kann fluchen wie man will. Der Regen wird nicht aufhören und das Zelt wird danach ebenso wenig trocken sein. Das Einzige was fluchen ändert, ist die eigene Laune. Wenn man sowieso nichts ändern kann, muss man es akzeptieren. Meine Gedanken änderten sich in: "Ich kann doch morgen im Zug schlafen" und "Regen in Australien: Das man sowas Seltenes erleben darf. Und dann auch noch so einen Wolkenguss. Wahnsinn.". Und die Ruhe kehrte zurück. Ich saß in den Toiletten, las ein wenig Zeitung, schaute mir einen Film an und freute mich meines Lebens.
Gegen sechs Uhr wollten wir sowieso aufstehen, denn mein Bus fuhr gegen zehn. Also waren es noch zirka vier Stunden bis dahin. Die Zeit verflog halbwegs schnell. Es war okay.
Als Bart aufwachte und das Chaos sah, war er ein wenig überrascht. Vielleicht lag es auch an der Uhrzeit. Wenn der Wecker um sechs klingelt, wäre ich auch überrascht. Ich hatte den Vorteil, dass ich nicht geweckt werden musste, schließlich war ich ja noch wach.
Wir packten alles komplett nass ins Auto und fuhren in die Stadt, die wir dann kurz anschauten und schnell etwas frühstücken gingen. Nicht viel später verabschiedeten wir uns dann schon. Wie immer waren die Abschiede kurz emotional, aber alles in allem war ich irgendwie froh, dass es vorbei war. Die Chemie stimmte leider nicht so richtig, aber manchmal ist das halt so. Außerdem war es wieder eine neue Erfahrung, welche ich nicht missen möchte.
Und schon saß ich wieder im Bus. Etwas später stieg ich irgendwo im Nirgendwo in den Zug um. Die Fahrt dauerte sehr lang, denn es waren immerhin knapp 800 Kilometer, die ich zurücklegen musste. Aber im Zug bot sich eine ausgezeichnete Schlafatmosphäre, was ich natürlich ausnutzte und war dann am frühen Abend wieder zurück in Melbourne. Hier waren einfach 20°C mehr als in Canberra. Es war plötzlich wieder Sommer. Ich setzte mich in den Park, beobachtete Leute und telefonierte mit ein paar Freunden. Der Tag war so viel besser als das nächtliche Abenteuer versprach. Ich checkte im Hostel ein, welches mitten zwischen den Hochhäusern lag und machte erstmal Wäsche.

Keine zehn Minuten später klingelte mein Telefon. Josh war dran und fragte, was ich heute mache und ob wir was trinken gehen. Wahnsinn. Ich bin einen Tag in einer neuen Stadt, vier Tage weg und werde bereits vermisst. Darüber kam ich den ganzen Abend nicht so richtig hinweg. Was für ein Glück ich habe. Aber manchmal passt halt alles und es passiert einem Gutes.
Wir trafen uns zwei Stunden später und gingen japanisch Essen. Das Essen war fantastisch! Danach schlenderten wir weiter durch die dunklen Straßen von Melbourne und wir fanden eine kleine Hippie-Kneipe. Es ging in einen Hinterhof. Der Weg war von Blumen-Girlanden und Lichterketten überspannt. Die Atmosphäre lud definitiv auf ein paar Bier ein. Nachdem wir die ersten hinter uns hatten, philosophierten wir über die verschiedensten Dinge: Wie die Welt funktionieren könnte, den Unterschied zwischen Denken und Fühlen und warum viele Menschen zu sehr auf ihre Gedanken hören und denken, dass sie es sind, die da sprechen.
Irgendwann spät am Abend kam dann wieder meine Müdigkeit durch und wir mussten uns verabschieden, da ich schließlich am nächsten Tag fliegen würde. Dieser Abschied fiel schon schwerer. Aber man sieht sich immer zweimal im Leben und ihn werde ich vermutlich irgendwo in Südostasien wieder treffen. Vielleicht auch nicht. Wer weiß das schon.
Gut ausgeschlafen ging es am Morgen erstmal in ein Café um wieder ein bisschen an meiner Schreibkunst zu feilen und den Blog weiter zu führen. Ich hatte einen herrlichen Platz am Fenster. Das Café lag mitten in der Stadt. Ich hatte aber von meinem Platz aus einen herrlichen Überblick über den Park und Menschen. In solchen Etablissements und mit der Ruhe, die ich dort genoss, fiel das schreiben leicht und macht noch mehr Spaß als normalerweise.
Nach gut 6 Stunden hatte ich es dann auch geschafft und machte mich auf den Weg zum Flughafen. Aber nicht ohne noch etwas von Melbournes berühmtem indischen Essen zu probieren. Nachdem ich um eine Ecke mit Hochhäusern bog, erblicke ich das kleine Restaurant, indem das Essen einfach anbeterisch gut war. Ich hatte den ganzen Tag Zeit, weshalb ich mich auch absolut nicht beeilen musste. Solche Tage sind immer die besten: einfach treiben lassen und das Leben genießen. Über Melbournes größten Bahnhof, der Southern Cross Station, ging es mit dem Bus zum Flughafen. Melbourne hat keine Bahnverbindung dorthin, was aufgrund der Größe der Stadt ein wenig verwunderlich ist.
Mein nächster Flug innerhalb kürzester Zeit, stand mir also bevor und es sollte der erste meines Lebens werden, auf dem es etwas zu essen geben sollte. Ich benutzte ausnahmsweise einmal keine Billig-Airline, was echt schön war.
Aber dazu später mehr.

Ich werde meine Serien mit geschriebenen Berichten, mit diesem Artikel, vorerst beenden. Wie du sicherlich weißt, habe ich meine Australienreise sehr detailliert erörtert, was sehr viel Zeit in Anspruch nahm. Das war sehr wichtig für mich, um meine Kenntnisse über das Schreiben zu erweitern und dadurch besser zu werden. Nur wenn man sich Zeit für etwas nimmt, kann man besser darin werden. Das habe ich getan und es sind zirka 30.000 Worte dabei zusammengekommen. Ich bin immer noch unfassbar dankbar, dass du viele oder alle davon gelesen hast. Ich weiß nicht ob ich meinen geistigen Ergüssen solange gefolgt wäre.
Ich will mich jetzt einem anderen Projekt widmen und das sind die "Geschichten von Ada", in welche ich dir ab und an mal einen Einblick gewähren werde.
Ich hoffe dir hat es gefallen was ich schreibe und geschrieben habe.
Natürlich wird es weitere Berichte geben. Aber in einer anderen Form. Lass dich überraschen.

Vielen Dank für alles.

Paulgoesworldwide.