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Via Francigena mit der Hängematte - Tag 13 - Cascina San Francesca bis Cascina Riglio

Via Francigena mit der Hängematte - Tag 13 - Cascina San Francesca bis Cascina Riglio

Heute Nacht war es dann soweit:
Das erste Mal richtig Regen (so mit Stufe zwei Regen Warnung in der Wetterapp und so) .
Aber ich hatte Glück. Er sollte erst starten, wenn es dunkel ist und wieder aufhören bevor ich aufstehe. Perfekt. So kann das Tarp mal auf Dichtigkeit geprüft werden und es hat den Härtetest auf jeden Fall hat bestanden.
Jippie. Ich bin jetzt ein richtiger Outdoorboy - oder auch nicht 😅.

Bis auf ein paar Tropfen hier und da bin ich nicht sonderlich nass geworden. Obwohl es eine meist schlaflose Nacht war. Der Grund dafür war nicht das ich nass würde. Nein, ich hatte einfach Angst nass zu werden und musste immer schauen das das nicht passiert.

Was ich gelernt habe;
A) das Tarp ein Stückchen höher hängen, sodass es keine Druckstellen bekommt und irgendwann durch tropft
B) straff ist nicht immer besser
C) einfach schlafen. Wenn es rein regnet wird man sowieso wach, wieso die ganze Nacht wach liegen und sich Sorgen machen?

Heute ging es meistens der Straße entlang. So eine richtige Straße mit Lkws und sowas 😅.
Denn es ging auch wieder in eine größere Stadt, deren Namen ich mir nach 100 mal versuchen, immer noch nicht merken kann: Piacenza (kurz auf die Karte geschaut, ansonsten hätte ich es schon wieder vergessen).

Genau wie Pavia, war das eine sehr wichtige Stadt mit ganz viel Geschichte und Kriegen und allem. Besonders wichtig war sie, weil die Römer Straßen aus Richtung Frankreich, Mailand, Rimini und nach Rom hier zusammen treffen ließen. Deswegen gibt es hier auch so viele Kirchen. So viele. Aber auch wie in Pavia, gab es dort wieder keinen einzigen Stempel. Hab mir trotzdem einen ergattert, im Tourismus Büro. Ätsch.

Apropos Kirchen. Ich hab mix gefragt in wie vielen Kirchen ich dieses Jahr schon war. Und es waren sooooo viele, gestern allein schon vier auf der Stempeljagt.
Wieso, weiß ich auch nicht, aber wahrscheinlich hauptsächlich weil es die Hauptattraktionen in jedem Ort sind und weil ich durch die Gegend pilgere.

Ich habe mich die letzten Tage oft gefragt, was ich in so einer Kirche fühle.
Wieso?
Weil ich gerade ein Buch "Der Berg der Sieben Stufen" lese, von Thomas Merton, einem Journalisten der während seines Lebens zur katholischen Kirche konvertiert ist und dann einfach mal ein Mönch wurde.

Kleiner Tipp, ist nicht das beste Buch von ihm und für mich persönlich auch nicht sonderlich ansprechend und ich muss zugeben das ich bei der Hälfte des Buches aufgegeben habe. Es gibt viel bessere Sachen von ihm.

Er beschreibt wie Kirchen in Rom und Italien im allgemeinen ihn von seinem "Weg der Sünde" (🤮) abgebracht hätten. Wieso ich das lese? Der Typ ist super interessant, er ist später zum Buddhismus konvertiert und hat viele Bücher über Zen Buddhismus geschrieben. Eines davon wurde mir in Whangarei in Neuseeland in einem Buchladen gegeben, nachdem ich fragte was ich denn lesen soll. Musste dafür damals auch nichts bezahlen. Empfehlenswert hier z.B. auch: "Im Einklang mit sich und der Welt".

Jedenfalls fühle ich mich heutzutage in Kirchen anders wie noch in Spanien. In Santiago hat mich meistens der Hass ergriffen sobald ich in diese von Gold verzierten Kathedralen ging. Das ganze Gold, gestohlen aus Südamerika, bezahlt mit tausenden Leben.
Heute schaue ich mir die Gebilde an und denke : " Jo, beeindruckend. Hätte man aber nicht irgendetwas bauen können womit man mehr Menschen auf der Welt etwas Gutes tut?"
Aber dann sehe ich wieder die Gesichter von den Leuten da drin, wie ihre Augen anfangen zu strahlen und wie ihnen Tränen in den Augen stehen, weil sie irgendetwas fühlen was ich nicht tue, und vielleicht brauchen sie ja solche Orte um sie selber sein zu können.

Ich finde die Natur irgendwie schöner. Und das schlimme sind die vielen Verbote: tue das, tu das auf gar keinen Fall. Wenn man Menschen einfach sie selbst seien lässt und jeder tun würde, was er oder sie wirklich will, wäre die Welt da nicht ein besserer Ort?

Das krasse ist, bei diesen Kirchen und allem rings herum: wenn Leute daran glauben, wird es irgendwie real, wie es am Beispiel unseres Geldsystems oder Versicherungen zu beobachten ist. Das ist genauso nur ein Glaube an ein System und es funktioniert nur deswegen.

Um wieder auf den Weg zurück zu kommen. Heute habe ich auch den Po überquert. Damit neigt sich erstens die Po Ebene dem Ende (jippie bald wieder Berge) und ich bin aus der Lombardei in die Emilia Romagna über getreten. Damit hab ich jetzt schon drei Provinzen durchquert. Ist das nicht krass? Erst Valle D'Aosta, dann Piemont, dann die Lombardei und das habe ich heute mit 27,2km laufen abgerundet.


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