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Via Francigena mit der Hängematte - Tag 10 - Gropello Cairoli bis Vaccarizza

Via Francigena mit der Hängematte - Tag 10 - Gropello Cairoli bis Vaccarizza

Und wieder fühlte sich die Luft am Morgen nach Herbst an. Aber darf sie ja auch, denn schließlich ist Herbst.

Am Morgen ging es die ersten Kilometer, wieder durch unser gewohntes Umfeld : Felder.
Aber heute würde sich einiges ändern.

Nach ein paar Stunden laufen, erreichte ich den Fluss Ticino und die Strecke ging ab hier immer den Fluss entlang, durch kleine Wälder und enge Pfade. Hier hatte ich das Gefühl wieder atmen zu können. Die Sonne stand noch nicht hoch, aber sie wärmte mich dennoch genug. Der Himmel war strahlend blau, genau wie das Wasser des Flusses. Der Kontrast der immer noch in allen Grüntönen leuchtenden Bäume, komplettiert das Bild. Was für ein Vormittag.

Und da, da sah man es zum ersten Mal : ein Türmchen was aus dem Wald ragt. Das erste Anzeichen, dass ich die Stadt Pavia gleich erreichen werde.

Die Stadt ist die erste größere die ich auf meinem Weg passiere. Hier ist soo viel Geschichte passiert, dass ich es nicht alles aufnehmen konnte. Von früh römischer Zeit an ging es hin und her.

Ich würde es aber mal kurz versuchen zusammenfassen: eine einflussreiche Familie, welche gut darin war andere auszubeuten, baute sich ein großes Haus. Eine andere große Familie wurde eifersüchtig und versuchte die Kontrolle zu erlangen. Das gefiel der ersten Familie nicht. Dadurch brach Krieg aus. Manchmal gewann die erste, manchmal die zweite Familie. Der Gewinner baute noch größere Häuser, Kirchen und Paläste und das Spiel ging wieder von vorn los. Irgendwann suchten sich die Familien Verbündete und so entstanden Staaten, welche das Spiel weiter betrieben. Heute ist es immer noch so ähnlich. Sollten wir damit nicht irgendwann mal aufhören?

Naja, ich glitt ab.

Was ich weiß ist das Karl der Große in dieser Stadt gekrönt wurde ( wieso hier und nicht irgendwo weiter nördlich ist mir unklar) und das Albert Einstein hier kurz lebte.

Aber wieder zurück zur Wegbeschreibung.
Bevor ich in die Stadt eintreten durfte, ging es immer am Fluss Ticino entlang, durch einen Wald bei strahlendem Sonnenschein und es waren keine Leute zu sehen, bis man die Brücken über den Fluss erreichte.

Als ich diesen überquerte, war ich direkt in der Innenstadt.

Hunderte Leute säumen die Straßen und jeder starrte mich mit einem überraschte Blick an. Verständlich, überlege mal : du kommst gerade aus dem Büro, willst zum Mittag essen, dein Tag war bis jetzt stressig und dann kommt dir einer auf der Hauptstraße vor dem Chanel-Laden entgegen der aussieht als hätte er 3 Tage nicht geduscht, mit einem Rucksack größer als sein Leben, und Stöcken in der Hand. Hier, mitten in der Innenstadt.

Und dann passierte es. Ein Mann kam um die Ecke auf der Straße, sprach mich an und wollte, ihr glaubt es nicht, mir Socken verkaufen. Deo, Drogen, christliche werbe Artikel, hätte ich verstanden.. Aber Socken? OK wow.

Ich schaute mir kurz die Stadt an. Sie war wirklich schön. Der Dom und die anderen Gebäude beeindrucken mich.
Außerdem ging ich in alle Kirchen die ich finden konnte, um einen Stempel zu ergattern. Fehlanzeige. Die haben alle so viel mit ihren toten Heiligen zu tun, welche hier liegen, anstatt dem lebenden Paul mal einen Stempel zu geben. Naja. So ist das.

Aber ich war heute noch nicht genug gelaufen. Drum ging es wieder raus aus der Stadt.

Und nach ein paar Stunden laufen, war ich so richtig am Arsch, also so richtig.
Ach neeee am Po, am Po wollte ich sagen. Den habe ich dann zum ersten Mal sehen können., mit prächtigem Sonnenuntergang.
Hier ist es schön, hier bleib ich.
27,1km hatte ich heute auf der Uhr.

Entspannt.


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