Februar 20, 2019

Und Plötzlich Bist Du Irgendwo

Nämlich 10.000 Kilometer entfernt, in Singapur.

Und Plötzlich Bist Du Irgendwo

Und schon saß ich irgendwie im Flieger Richtung Singapur. Kaum habe ich meinen Platz erreicht, musste ich natürlich wieder aufstehen um den Menschen, die neben sitzen wollten, Platz zu machen. Es war ein Pärchen und schon nach dem zweiten Wort war uns klar, dass wir alle aus Dresden kamen. So war das erste Gesprächsthema gefunden und der Flug verlief dadurch echt entspannt. Generell hätte ich mir 12 Stunden fliegen in einem Billigflieger viel schlimmer vorgestellt. Kann man machen. Zumindest den ersten, beim zweiten sah es schon ein wenig anders aus, aber dazu später.

Da ich sowieso nach Singapur wollte, um mir die Stadt anzuschauen und das Pärchen den selben Plan verfolgte, entschieden wir uns zusammen dort hin zu fahren. Leider war es so früh, dass noch kein Bus oder keine U-Bahn fuhr. Ein wenig planlos durch die Gegend geschaut und schon waren wir zu viert. So schnell gehts. Wir beschlossen ein Taxi in die Stadt zu nehmen, vor dem ich echt Angst hatte, da alle sagten das Singapur so extrem teuer ist.
Kaum am Taxi angekommen fiel mir auch wieder ein: Ach Mist hier fährt man ja falschherum. Und irgendwie ist das als Fußgänger gar nicht so witzig wie man denkt. Später bin ich bestimmt dreimal fast vor ein Auto gesprungen. Aber was solls, es gibt ja Bremsen. Ich werde mich auch daran gewöhnen. Bis jetzt ist es auf jeden Fall noch nicht so.

In der Stadt angekommen, es war 5.00 Uhr morgens und alle Läden geschlossen,überkam mich das erste mal das Gefühl, die Realität nicht so richtig fassen zu können. Warst du nicht gerade noch in Berlin, zirka 10.000 Kilometer entfernt? Und jetzt sprechen hier alle komisches englisch und sehen anders aus? Verdammt wie konnte das passieren. Nichtsdestotrotz fühlte es sich auch gut an. Ich bin nun mal irgendwie der Mensch der Extreme und das war es irgendwie. Im Gegensatz zum zu Hause sein, machte mich das sofort glücklich. Ich habe sofort wieder gemerkt, dass man nie einsam ist. Davor hatte ich in der Vergangenheit immer am meisten Angst. Du bist woanders und dadurch bist du einsam. Aber nein, manchmal ist man vielleicht kurz allein. Aber dadurch, dass man weiß das die Menschen ins Leben kommen, welche man in dem Moment gerade braucht, ist man vielleicht manchmal alleine, aber keine Sekunde einsam. Das zu realisieren ist eine der wichtigsten Erfahrungen, die ich je machen durfte (Die Erkenntnis hatte ich auf meinem ersten Jakobsweg).

Wir schlenderten ein wenig durch die Stadt, wurden alle fast von Autos überfahren und schauten uns die Wahrzeichen an. Es ist extrem sauber und ich habe noch nie solche ordentlichen und sauberen öffentlichen und kostenlosen Toiletten gesehen.
Singapur sieht irgendwie aus, wie ein Vorort von Londen 1913, bei dem ein schlauer Mensch auf die Idee gekommen ist, plötzlich 1000 Hochhäuser dazwischen zu stellen. Kann man ja mal machen.
Der Nahverkehr funktioniert hervorragend. Deswegen gab es auch nicht viele Autos in der Stadt. Allerdings war ich von der Fülle an Menschen überwältigt. Wir waren im Bankenviertel gegen halb 9 und es kam jede Minute eine U-Bahn mit ca. 1500 Menschen. Ich habe noch nie soviele Personen auf einmal gesehen, noch nie. Ich fühlte mich ein wenig erdrückt. Ich bin halt doch ein Dorfkind.

Die soziale Konditionierung der Gesellschaft dort ist extrem. Überall gibt es Überwachungskameras, wirklich überall. Die Menschen verhalten sich genauso. Es wird nur an einzelnen Punkten geraucht (was nicht schlecht ist), aber diese Konditionierung nimmt auch erschreckende Formen an. Die Menschen strömen zu Tausenden aus der U-Bahn Station, allerdings nur auf einer Seite, denn die Hin- und Rückwege sind durch einen gelben Streifen getrennt und ein Schild sagt, dass man dieses nicht übertreten darf, was natürlich auch keiner macht. Links erdrücken sich die Leute fast. Rechts ist es leer. Ist das unsere Zukunft? Das das selbstständige Entscheiden abgeschafft wird? Ich hoffe nicht.

Nachdem wir in einem viel zu großen Einkaufzentrum waren und ich Einkaufzentren ja so liebe, verabschiedeten wir das Pärchen, da diese zeitiger weiter nach Perth flogen, schauten uns noch ein paar alte Englische Gebäude an, schliefen eine Runde im Park auf einer Bank, da das im Flugzeug nicht so gut geklappt hatte und dann gingen wir zu dem, was ich in dieser kurzen Zeit am schönsten in Singapur gefunden habe, dem Level 33, eine Brauerei hoch über Singapur mit legendären Ausblick. Da mein Kompagnon in Singapur verblieb und gerne ins Hostel wollte, entschied ich mich zurück zum Flughafen zu gehen.

Es gibt bestimmt noch viele andere tolle Sachen zu endecken, aber irgendwie war ich auch froh, dass es dann weiter ging. Zu viele Menschen, zu viel Großstadt. Am Flughafen, welcher übrigends extrem schön ist und an dem man alles bekommt, was man sich vorstellen kann, wie z.B. Wifi, Teppiche, freies Wasser, einen Pool, einen Schmetterlingsgarten, Fußmassagegeräte, eine Lounge mit Xbox´en zum Zocken, Betten und unzählige andere Sachen, entschied ich mich erstmal auf dem Boden zu schlafen, da ich Angst hatte, aufgrund meiner Müdigkeit, in den bequem aussehenden Betten nicht wieder aufstehen zu können. Das war erholsamer als es klingt. Die restliche Wartezeit am Flughafen war auch super. Es gab indisches Essen, bei dem ich auf der Karte nichts kannte und wieder festgestellt habe, dass indisches Essen in Deutschland und indisches Essen in der Realität nichts miteinander zu tun haben. Danach habe ich Leute beobachtet und schon waren die sechs Stunden Geschichte. Also auf zum Flieger, in dem ich wirklich mal schlafen wollte. Das hat aber nur so suboptimal geklappt. Zu laut, zu eng und ich wahrscheinlich zu müde zum Schlafen, aber trotzdem okay. Man macht halt das Beste draus. Und dann bist du plötzlich in Australien. Meer und Berge und Strand und wohlige Temperaturen.

Um nochmal kurz auf die Preise in Singapur einzugehen. Es ist günstiger als in Deutschland, wenn man sich ein bisschen informiert. Das Taxi kostete 8$ (ca. 5€) für ca. 45 Minuten Fahrt und auch das Bier in der Skybar, schlugen nur mit 14$ (ca. 9€) pro Stück zu Buche, was ich mit der Aussicht und dem Gedanken, das alleine eine Runde auf dem Riesenrad, einem bekannten Wahrzeichen der Stadt, 35$ kostet völlig in Ordnung fand. Essen gab es ab 7$ (4€) mit riesigen Portionen.

So, jetzt habe ich aber genug geplaudert.

Danke euch fürs Lesen und bitte schreibt mir bei Fragen,Anmerkung und vor allem Kritik.

Grüße aus Australien und einen sonnigen Tag wünscht

Paule

Im vorherigen Eintrag ging es um Erleichterungen und Abschiede. Falls dieser dich intressiert findest du den Eintrag hier.

Danach ging es weiter nach Goldcoast in Australien. Wie aufgeregt ich war.
Aber sie selbst. Hier findest du den Eintrag dazu.