März 12, 2019

Queensland Art Gallery and Gallery of Modern Art - Das ist Kunst

Ein paar Tage im Museum.

Queensland Art Gallery and Gallery of Modern Art - Das ist Kunst

In den nächsten Tagen stand Kultur auf dem Programm. Zum Glück hat Brisbane davon echt viel zu bieten. Das Queensland Museum of Modern Art nahm zwei Tage Zeit in Anspruch, da ich mir absolut keinen Stress machte. Ich frühstückte jeden Tag ausgiebig und nahm mir viel Zeit für mich und das Schreiben. Ich denke, das ist ein wichtiger Aspekt während des Reisens sich auch einmal eine Auszeit zu gönnen und nicht nur von einem Ort oder einer Sehenswürdigkeit zur Anderen zu hetzen.
Also ging es kurz nach dem Mittag in die Stadt. Es war weder zu warm noch zu kalt. Ich glaube das waren die ersten nicht so warmen Tage in Brisbane seit langer Zeit.
Am Gelände angekommen, schlängelte sich ein langer Campus verschiedener Museen, inklusive der öffentlichen Bibliothek, direkt entlang des Flusses im Stadtzentrum. Das Stadtzentrum hier bietet sehr viel Grünfläche. Es waren nicht viele Menschen unterwegs und ich genoss bereits den Weg dorthin sehr. Es war ein guter Tag.
Die verschiedenen Gebäude waren von außen nichts Besonderes. Einfache Betonbauten, die ihren Zweck als Ausstellungs- oder Lehrräume erfüllen sollen.

Gallery of Modern Art

Ein langer gerader Weg führt auf das Gebäude zu und links und rechts sieht man bereits verschiedene Kunstobjekte. Rechts geht es direkt zum Fluss und zum Museums-Café. Da am Fluss wunderschöne Skulpturen auf mich warteten, begab ich mich natürlich erst einmal dorthin. Ich versuche mich an solchen Tagen immer "treiben" zu lassen, das heißt wenn irgendetwas Gutes meine Aufmerksamkeit erregt, gehe ich einfach dort hin. Es hetzt einen nichts und die Zeit spielt absolut keine Rolle. Im Grünen steht dort ein riesengroßer Elefant.

"Aber was war das denn?", schoss mir augenblicklich durch den Kopf. "Ich habe dort doch im Busch gerade etwas wackeln sehen?". Auf den zweiten Blick sah ich es dann: riesiger Lurche, überall. Da freute ich mich fast wie ein kleines Kind. Deshalb musste ich die Tierchen erstmal eine Stunde lang beobachten.

Nichtsdestotrotz schaffte ich es irgendwann ins Museum. Alle staatlichen Museen in Australien sind, genau wie in Großbritannien, kostenlos. Das ist einfach fantastisch, da man somit jedem historische Bildung, wichtige Ereignisse und vieles mehr, ermöglicht. Warum ist das in Deutschland nicht auch so? Die obligatorischen 10€ halten doch das Museum nicht am Laufen. Ist das deswegen, da man bei uns dem anderen nichts gönnt? Was denkst du darüber?
Drin angekommen erstreckte sich eine große Halle mit Treppen vor mir und meine Tour konnte beginnen. Es gibt hier keinerlei vorgegebene Wege und ich habe auch keine Karten gefunden. Das finde ich wirklich komisch, da ich es in gewisser Weise schon mag in eine Richtung geführt zu werden und einen vorgegebenen Weg abzulaufen. Ist da sehr deutsch? Vielleicht, denn ich habe später noch mit anderen gesprochen, welche genau das Unstrukturierte und Freie richtig gut fanden.
Vorbei an indigener Kunst, welche mich nicht so abholte, ging es weiter vorbei an riesigen Gemälden. Aber eins fiel mir auf: Alles hat hier einen sehr negativen Grundton. Es ging viel um Völkermord, das Dunkele in einem Selbst und der Gesellschaft und die Zerstörung der Erde. Als ich dann in einen großen Videoraum kam, in dem drei große Leinwände befestigt waren, dachte ich mir noch nichts dabei. Das es mich so mitnehmen würde, wusste ich nicht. Die Wiedergabe startete und zu Beginn stand ein Japaner in einer Menschenmenge. Man sah dieses Szenario aus drei Perspektiven. Es schaukelte sich dann immer weiter hoch. Er lief weiter durch eine Menschenmenge, welche nach und nach zu einer Demonstration hoch kochte. Ich wusste allerdings die ganze Zeit nicht wirklich um was es ging. Später war überall Polizei, welche den Protagonisten durch die Menge geleitet und ein Streichorchester begann melancholische Musik zu spielen. Plötzlich waren überall Demonstranten, welche sich mit zuerst mit der Polizei anlegten. Doch dann schrien die Menschen alle auf den Mann ein: "Du bist kein Japaner" und "Raus aus Japan". Als dann eine junge Frau eingeblendet wurde und " Stirb, Stirb" schrie, wusste ich, dass es sich hier um eine nationalistische Demonstration in Japan handelte. Das war dann irgendwie zu viel für mich und ich musste abbrechen, da man das ja leider von zu Hause viel zu gut kennt. In Japan ist es allerdings noch schlimmer, worüber ich mich anschließend belesen habe, da es dort im Land keinerlei Erinnerungskultur an die Gräuel im Zweiten Weltkrieg gab. Deswegen sind diese Demonstrationen noch größer als bei uns.
Danach brauchte ich erstmal einen Tee und ein Stück Kuchen. Und man merkt mal wieder wie gut es einem eigentlich geht. Im Gegensatz zu vielen anderen werde ich nicht diskriminiert und hole mir die schlimmen Eindrücke im Museum und nicht auf der Straße.

Das Schönste was es dort noch zu sehen gab, war ein Bienenstock im Museum. Das Treiben dort drin könnte ich stundenlang beobachten.

Nichtsdestotrotz hatte ich das Gefühl, das die Kunst hier größtenteils negativ ist.
Zuerst dachte ich, dass es vielleicht an mir liegt. Vielleicht habe ich eine schlechte Stimmung und sehe es deswegen alles nur so. Doch als ich am nächsten Tag meine Tour beendete, änderte sich mein Eindruck auch nicht.
Warum sind die australischen Museen so negativ? War die Vergangenheit von Australien so schlimm? Gab es nicht auch gute Momente? Ab und Zu Wenigsten? Die europäische Geschichte ist auch kein Glanzexemplar für Frieden und war von Gewalt sowie Kriegen geprägt aber in Museen wird trotzdem manchmal versucht, das Gute zu sehen. Ja, man muss unbedingt aufzeigen, dass es Probleme gibt und schlimme Dinge passiert sind. Sie passieren immer noch überall. Aber wie hilft es, immer nur das Schlechte zu zeigen, sich vielleicht sogar darauf auszuruhen und keinerlei Lösungen zu präsentieren?
Kann Kunst überhaupt Lösungen finden?


Queensland Art Gallery

Danach ging es sofort mit der Art Gallery weiter. Ich hoffte auf eine etwas positivere Stimmung. Man gelangt durch einen kleinen Seiteneingang in das Innere des Museums. Durch einen schmalen Gang hindurch, gelangt man in einen größeren offenen Saal mit Wasser im Inneren.

Es ist wunderschön hier. Deshalb dachte ich auch die Kunst wird positiver. Aber Fehlanzeige im ersten Raum ging es wieder um Mord und Totschlag. So ist das eben.
Es gab auch wieder keine klaren Wege oder Raumbezeichnungen, was mir hier auch wieder nicht gefiel, da ich immer etwas Angst hatte, etwas auszulassen. Das passierte natürlich nicht, da man sich dann doch recht gut orientieren kann. Im zweiten Raum angekommen, habe ich eines der coolsten Sachen entdeckt, welche ich je in einem Museum gesehen habe. Es gab Stifte und Papier und man wurde aufgefordert, etwas zu den Kunstwerken zu zeichnen oder zu schreiben. Was für eine coole Idee.
Was ich sehr lustig finde ist, dass wahrscheinlich die meisten Kunstwerke hier, außer die wenigen welche aus Europa gekauft wurden, zu Hause in einer der Galerie für moderne Kunst hängen würden. Es gibt nicht viele Sachen, welche älter sind als 100 Jahre. Irgendwie faszinierend und doch ungewohnt.
Und auf einmal war ich da. In einem der positivsten Räume die ich je in einem Museum gesehen habe. In einem Seitenraum hingen viele verschiedene moderne Kombinationen aus Farbe, wie ich es liebe. Dort konnte ich dann auch das erste Mal wieder positive Sachen erkennen. Ich kam in den Raum und ich begann zu schreiben. Es sprudelte nur so aus mir heraus. Ob es Sinn macht, was ich dort geschrieben habe, weiß ich nicht. Aber ihr könnt es gerne selber beurteilen.

Über dieses Bild habe ich das untere geschrieben

"Keine Gedanken, nur Leere im Kopf. Aber du siehst gerade alles.
Es darf, es muss, es sollte keinen Sinn machen.
Du bist an einem Ort und spürst deine Präsents. Du bist im Hier wie nie zuvor. Du weißt, dass du genau jetzt, genau hier sein solltest, um genau das zu sehen und zu fühlen, was du gerade siehst und fühlst.
Die Zeit verschwindet, die Sinne werden schärfer und wachsen zu etwas Übernatürlichem an. Du siehst die Welt so, wie sie wirklich ist. Du siehst in welcher Reihenfolge Striche entstanden sind und was der Mensch dabei gedacht haben muss. Du versuchst den Moment zu fangen. Doch bevor er greifbar wird, zerfließt er zu Strukturen, die du nicht kennst. Du bist in diesem Raum zwischen den Zeiten, zwischen Gut und Böse und du weißt, die anderen können es nicht verstehen. Es ist ausschließlich im Innern, in dir. Niemand kann es sehen. Das Chaos ordnen, welches außerhalb existiert, um eine bessere und vollkommene Welt zu kreieren. Ohne Schmerz. Ohne Leid.
Wenn du durch die Unwägbarkeiten des Universums hindurchsehen kannst, bist du unsterblich. Du stehst vor einem Bild und die Gedanken, welche dich vor langer Zeit verließen, kehren jetzt strukturiert und klar zurück. Das ist Kunst."

War das zu viel? Tut mir Leid.
Das war es dann auch schon mit Brisbane. Weiter ging es nach Adelaide. Aber das ist eine andere Geschichte.

Danke fürs Lesen und dein Feedback.

Grüße aus der Ferne,

Paule.