September 10, 2019

Roadtrip durch Neuseeland - Gold? Hat da jemand Gold gesagt?

Zu Gast bei den Goldgräbern.

Roadtrip durch Neuseeland - Gold? Hat da jemand Gold gesagt?

Hallooooo,
ja du siehst richtig, oder doch nicht? Eventuell, aber wirklich nur eventuell, gibt es heute wieder was zu lesen.
Freust du dich? Ich hoffe doch.

Ich gehe davon aus, dass du den letzten Podcast gehört habt. Falls nicht, schäm dich erstmal, und danach kannst du hier die grobe Zusammenfassung lesen: Mir war kalt und ich ich war wandern. Auch ein Wasserfall war zu sehen. Das sollte es im Großen und Ganzen gewesen sein.

Da ich das letzte mal unerwarter Weise, den Podcast mitten in der Erzählung eines Tages beenden musste, da mir doch wirklich entfallen war, was passiert ist, muss ich heute ein wenig genauer überlegen wie ich anfange. Aber sowas kann doch mal passieren wenn man von einem speziellen Tag, der in der Zwischenzeit bereits über vier Monate zurückliegt, berichtet. Vier Monate? Jaa du hast richtig gehört. Auch wenn es viele, ich eingeschlossen, nicht wahr haben wollen, ich bin jetzt schon seit knapp acht Monaten unterwegs. ACHT!!!
Die Zeit hier vergeht super schnell, aber auf der anderen Seite auch super langsam. Man kann sich an jeden einzelnen Tag mehr oder weniger erinnern und es verschwimmt nicht alles in einer großen Gedankensuppe, wie das zu Hause manchmal der Fall ist, wenn man in seinem gewohntem Umfeld unterwegs ist.
Manchmal fehlt mir allerdings ein wenig der Alltag und das Entspannen, oder besser gesagt: Das an einem Ort verweilen, vor allem wenn ich zu lange mit dem Auto unterwegs bin und dort schlafe.
Auf der anderen Seite kann ich es nicht fassen, dass es wirklich schon acht Monate sind, die ich weg bin. Dafür verging die Zeit wieder super schnell. Ich denke auf Reisen funktioniert die Zeit einfach anders. Sie macht Knoten und Sprünge und manchmal kommt einem eine Sekunde vor wie ein Jahr und dann acht Monate wie eine Sekunde. Schräg einfach.

Darüber wollte ich aber gerade überhaupt nicht schreiben sondern über den weiteren Verlauf des Tages nachdem ich am Wasserfall aufgebrochen war.
Es ging weiter nach Norden und nachdem ich das Auto gestartet habe, machte ich erstmal die kürzlich reparierte Heizung an. Frieren war mir ab jetzt ein Fremdwort. Jippie.

Ich kam nach kurzer Fahrt in Reefton an. Dort schlenderte ich nach der kalten Nacht erstmal durch die Stadt/Dorf/Wasauchimmer. Es sieht dort ziemlich genau aus, wie die Städte in Amerika (zumindest so wie man es aus den Filmen kennt), welche an der Route 66 oder den alten Interstates lagen.

Tankstelle, Kneipe und ein paar andere Sachen, in denen man verschiedene Sachen käuflich erwerben kann, liegen an dieser Straße. Das wars aber dann auch. Fährt man ein paar Meter die Nebenstraßen hinunter ist der Ort dort zu Ende.
Ich gönnte mir einen Kaffee und fühlte mich plötzlich nicht mehr wie ein Outlaw, welcher durch die Gegend zieht, sondern für kurze Zeit wie ein einfacher Tourist. Im Café gab es einige Secondhand-Bücher zu kaufen, was ich mir natürlich nicht nehmen lies.

In der Zwischenzeit sieht mein Auto aus wie eine fahrende Bücherei, aber dazu später mehr. Also falls ich jemals dort ankomme mit schreiben oder erzählen. Ganz sicher bin ich mir darüber nicht.
Ich bekam ein Buch von Kate de Goldie, einer Autorin aus Wellington und eine der berühmtesten Autorinen Neuseelands. Es hieß "The 10 PM Question" und es ging um nichts und war so schön. Einfach herrlich. Ich will auch so viel um den heißen Brei herum schreiben und nichts sagen. Ach warte mal....

So jetzt aber genug über Nichtigkeiten berichtet, jetzt wird mal wieder über die tatsächlichen und lebensveränderden Begegnungen sowie Dinge gesprochen. Reefton war die erste Stadt auf der Südhalbkugel, welche ein eigenes Stromnetz hatte. Ja da hast du doch glatt richtig gehört: Ein eigenen Stromnetz! Das brauchten die weil es eine der größten Goldgräbergegenden in Neuseeland war und das Gold schürfen scheinbar viel Energie benötigt. Das alles fand ich auf einer kleiner Wanderung durch die Stadt heraus. Diese nannte sich doch wirklich Powerwalk: Hahahaha Wortwitz. (Powerwalk meint sowas wie anstrengende Wanderung und Power steht auch für den Strom, welcher hier erzeugt wurde - Verstehst du? Witze welche man erklären muss sind immer die besten, oder?)
Die Gegend hier hat auch so eine Art Goldrausch erlebt. Zwischenzeitlich lebten hier viel mehr Menschen als das heutzutage der Fall ist. Vielleicht erklärt das ein wenig die, im guten Sinne, verrückte Mentalität der Kiwis. Kiwis heißen die Einwohner Neuseelands übrigends nicht wegen der Frucht, wie viele vermuten, sondern wegen dem nationalen Heiligtum, dem Kiwi Vogel.
Die Nacht verbrachte ich nicht weit von der Stadt entfernt an einem Campingplatz. Dort ist die Tradition des Goldschürfens noch live zu sehen. Mich begrüßte ein Schild, auf dem gesagt wurde, dass es hier erlaubt ist Gold zu schürfen.

Man soll aber bitte seine motorbetriebenen Grabgeräte zu Hause lassen und lieber seinen Handschürfapperat benutzen. Faszinierenderweise waren dort wirklich Menschen die es dort versuchten und sogar relativ erfolgreich waren. Insgesamt hatten sie nach ein paar Stunden tatsächlich ein paar Krümel Goldstaub ergattert. Scheiß Stundenlohn, dafür autentisch und sicherlich für ein paar Tage sehr spaßig.
Das Wetter war übrigens sehr schön und ich traf eine Familie aus Nelson mit denen ich ein wenig Wein trank, nette Gespräche führte und das ein oder andere Kilogramm Holz am Fluss verfeuerte.

Der nächste Morgen startete wie immer planlos, denn planlos geht der Plan los.
Ich entschied mich nach dem Frühstück, angesteckt vom Goldfiber, mich auf den Weg in eine alte Goldgräberstadt zu machen, welche jetzt allerdings verlassen ist. Waiuta war ihr Name.

Die Kommentare in meiner App über den Ort waren eigentlich alle relativ negativ. Es wurde geschrieben, dass es dort langweilig sei, die Aussicht woanders besser wäre und man nichts mehr von den alten Anlagen sehen könnte.
Ich erwartete nichts und eventuell dadurch oder überhaupt, war es der absolute Hammer. Mitten im Nirgendwo, oben auf dem Berg, kam ich an und es war eine Rundwanderung aufgebaut. Überall waren Fotos wie es früher aussah und viele alte, mehr oder weniger verfallene, Gebäude zierten den Weg.

Die Aussicht war genial. Im Hintergrund sah man die Berge der Südinsel mit ein bisschen Schnee auf de Gipfeln. Das Wetter war ebenso absolut super.
Man sollte also nicht darauf hören, was andere sagen, sondern lieber immer seine eigenen Erfahrungen machen. Die schönsten Orte für einen Selbst, können die schrecklichsten für Andere sein.

Als ich durch die verfalle Stadt schlenderte, die Hochöfen auf Bildern sah und die verlassenen Rugbyfelder begutachtete, konnte ich in meinem Kopf die Geräusche von damals hören: Das Zischen der Hochöfen, das Hämmern der Zerkleinerungsmaschienen und das Pfeifen der Dampfmaschienen.

In Wirklichkeit war überall Vogelgezwitscher und das Geräusch von Wasser zu hören. So können sich Orte über die Zeit verändern. Nach dem Menschen ist vor der Natur.
Irgendwie auch schön zu sehen wie die Erde sich alles zurückholt was einmal ihr gehört hat.
Ich machte ungefähr tausend Bilder und ich möchte dir nur einen kleinen Auszug davon zeigen.


Der Swimmingpool der Stadt in fragwürdigem Zustand

Mein Weg setzte sich die Berge hoch und hinunter fort. Es gab so viel zu endecken.
Besonders die alte, verlassene Schule hatte es mir angetan. Es fühlte sich an als wäre die Zeit dort einfach stehen geblieben. Ein paar Vögel flogen darin umher. Aber selbst dort waren die Geräusche der Kinder in meinem Kopf zu hören.


Weiter unten konnte man auch das Loch sehen, wo hier das erste mal Gold endeckt wurde.
Später wurde eine riesiege unterirdische Mine errichtet, von wo aus das Gold auf von Pferden gezogenen Eisenbahnen, zur Verarbeitungsstätte transportiert wurde.

Es war einfach ein Abenteuer und für mich ein riesiger Spielplatz auf denen es soviele Sachen zu sehen gab.

Nach ein paar Stunden war für mich klar, dass ich hier noch nicht weg will. Deshalb campte ich das erste mal wild. Es war nicht wirklich wild, denn es gab dort eine Toilette und alles. Allerdings war es verboten, was mir den Spaß natürlich nicht verdarb.
Ich kochte, genoss die Sonnenstrahlen, telefonierte mit meinen Freunden, mit der Gewissheit, der einzige Mensch in einem Umkreis von zwanzig Kilometern zu sein. Es war einfach herrlich. Der Sternenhimmel war wie jedes mal unbeschreiblich.
Wer mehr über die Geschichte der Stadt lesen will und warum es zu so einem schnellen Verfall kam, kann das hier lesen.


Das wars dann auch schon wieder für heute. Hoffe du hattest Spaß beim lesen. Das nächste mal gibt es vielleicht wieder einen Podcast, vielleicht auch nicht. Wer weis das schon. Es bleibt auf jeden Fall spannend.

Danke das du wieder dabei warst und danke fürs verfolgen.

Liebe Grüße, in der Zwischenzeit bereits aus dem Norden der Nordinsel, sagt

Paulgoesworldwide.