März 5, 2019

Die erste Wanderung am anderen Ende der Welt - Glass House Mountains

Schöne Aussichten und anspruchsvolle Wege.

Die erste Wanderung am anderen Ende der Welt - Glass House Mountains

Es kommt so oft anders als man denkt. Ich habe bereits an der Gold Coast versucht eine kleine Wandertour einzuschieben. Aber leider war das dort ohne Auto absolut nicht möglich, da es keinerlei öffentliche Verkehrsmittel in diese Richtung gab. Wie es der Zufall will, verbrachte ich mal wieder zu viel Zeit auf Instagram. Aber entgegen jeder Erwartungen, hatte es diesmal etwas Gutes. Ich sah ein wunderschönes Bild von jemandem, der bei einem gigantischen Sonnenuntergang auf einem Berggipfel stand und scheinbar über die komplette Welt schauen konnte. Wow! "Und warte mal, das soll in Queensland sein?", der Bundesstaat in dem ich mich gerade befand. Kurz die Karte rausgeholt und entgegen jeder Logik fuhr natürlich der öffentliche Nahverkehr von Brisbane genau durch diesen Ort. Was heißt das für mich als Wanderratte? Nichts wie den Rucksack gepackt und los.
Der Zug fährt zu jeder vollen Stunde vom Hauptbahnhof in Brisbane, zu der ich mit einem Bus fuhr bei dem ich keine Ahnung hatte, wo und wie oft dieser hält. Aber es waren viele Menschen in ihm, was ich als durchaus gutes Zeichen deutete. Kaum über die Hauptbrücke der Stadt gefahren, ging es in ein unterirdisches Labyrinth, unter den ganzen Hochhäusern. Ich glaube dort ist alles untertunnelt, denn ein schlauer Mensch konnte in diesen relativ neuen Städten vorher den Verkehr planen. So einen Luxus können wir uns in Europa leider nicht gönnen. Dem Mittelalter sei Dank.
Da ich keine Ahnung hatte wo ich war, aber die Stadtmitte nicht wirklich weit entfernt sein konnte, stieg ich irgendwo aus um wieder frische Luft zu schnuppern. Ganz falsch lag ich mit meiner Routenorientierung nicht. Ganz richtig allerdings auch nicht. Es waren zirka noch 1 1/2 Kilometer bis zum Bahnhof, welche ich schnell überwinden musste, da der Zug in 10 Minuten fuhr. Es begann in Strömen zu regnen. Logisch wenn man in einem der wärmsten und trockensten Ländern der Welt ist und es hier bestimmt schon ein paar Monate nicht geregnet hat, dass an meinem persönlichen Wandertag eine kleine Sintflut starten muss. Aber Moment, ich mag doch Regen und beim Wandern sieht es wunderschön aus, wenn die Tropfen auf Grashalme oder Palmblätter platschen und ich hab doch auch mein neues Regencape eingepackt. Neuer Gedanke: "Jippie, Regen".

Kaum im Zug angekommen, was ich natürlich mit links gemeistert habe, war ich schon ein bisschen aufgeregt und saß wie ein kleines Kind am Fenster: " Berge? Sind das schon die Berge?" Aber nein es waren noch Hochhäuser. Der Stadtkern von Brisbane ist wirklich nicht groß, man durchquert ihn mit der Bahn in 3 Minuten. Dafür das hier so viele Menschen leben finde ich das schon interessant. Die Bahnfahrt sollte eine Stunde dauern. Vorbei an Vororten, Schafherden, Kühen, Industrie, Schildern die auf Industrie hindeuten und natürlich alten Eisenbahnbrücken, erblickte ich die ersten Berge. Wirklich schöne Berge. Ein bisschen wie in der Sächsischen Schweiz.
So ungefähr habe ich mir das auch vorgestellt, aber es sollte anders kommen.
Die Bahnstation Glass House Mountains, an der ich den Zug verließ, war ungefähr so belebt wie ein 1978 geschlossener Güterbahnhof in Niederwiesa. Der Ort besteht aus einer großen Straße, entlang derer ein paar Häuser zu finden sind, an denen an einigen Schilder hingen auf denen Waren feil geboten wurden. Es gab Chilis und Honig, das heißt die wirtschaftliche Konjunktur der Gegend ist doch noch schlechter als vermutet. Aber man wird zumindest schon mal nicht verhungern. Ich lief entlang der Straße, auf der einige Roadtrains, das sind LKW mit mindestens drei Hängern, passierten. Plötzlich hupte es von hinten und als ich hinschaute wurde mir ein wunderschöner Stinkefinger präsentiert. Okay, touristenfeindliche Idioten gibt es also überall. Kennt man ja von zu Hause. Aber ich ließ mich natürlich nicht von meinem Weg abbringen, welchen ich drei Minuten vorher, mit meinen tollen Karten recherchiert hatte. Es gibt leider keine wirklichen Wanderrouten vom Zug aus, da die Australier glaube ich einfach sehr gern bis vor die schönen Punkte fahren, dann zwei Kilometer bis zum Ausblick laufen um schnell wieder zu verschwinden. So plante ich auch meine Tagesroute. An den Zwischenzielen, welches meist Berge waren, angekommen, kurzer Rundumblick, einen anderen schönen Berg gesehen und Nichts wie hin. Über die Straßenqualität machte ich mir zu diesem Zeitpunkt noch keine Sorgen.

Kaum aus der Stadt heraus waren plötzlich weder Autos noch Menschen zu entdecken. Achja, da war ja was. Hier in Australien leben nur 23 Millionen Menschen auf unzähligen Quadratkilometern. Da trifft man dann einfach keine mehr. Das erste Mal überkamen mich kurze Zweifel, denn eigentlich rechnete ich damit, dass es sich genauso verhält wie in der Sächsischen Schweiz und man überall über einen Wanderer stolpert.
Nach ein paar Kilometern erreichte ich dann den Start des Weges zu meinem ersten Ziel, Mt Ngungun. Direkt am Wegesrand war dann auch ein Parkplatz auf dem sich doch ein paar Fahrzeuge befanden. Glück gehabt, doch noch nicht verschollen. Ich machte mich auf den Weg nach oben. Es roch genau wie in Spanien auf dem Jakobsweg nach Eukalyptusbäumen und Erde bei warmen Wetter. Am anderen Ende der Welt und trotzdem durchströmt einen wieder das vertraute Gefühl der Wärme und Gelassenheit, welche man sich in Spanien antrainiert hat. Anfangs ging es einen kleinen Sandpfad hinauf, welcher später in eine felsige Kletterpartie überging. Links und rechts befanden sich Palmen, Eukalyptus- und Gummibäume. Man fühlte sich wie in einer Dokumentation auf DMAX, in denen Menschen das erste Mal einen unbekannten Ort nahe der Wüste entdecken. Langsam wich der waldige Abschnitt immer größeren Felsen bis es, vorbei an einer Höhle, plötzlich keine Bäume mehr gab und sich der Blick auf das bergige Umland eröffnete. Ich fühlte mich wie ein kleiner Entdecker, bis ich die ersten sieben Leute dort oben sah. Aber hey, das Gefühl der Freiheit nimmt mir hier oben keiner. Die Aussicht war unglaublich. Man konnte in der Ferne Brisbane und die Sunshine Coast erkennen, näher waren nur die schönen Berge. Dieser Ausblick musste genossen werden, weshalb ich mir erst einmal einen Felsvorsprung zum Entspannen suchte.

Kurz darauf vernahm ich von direkt hinter mir eine mir durchaus bekannte Sprache. Natürlich sind irgendwo in Australien auf einem Berg nahe Brisbane Deutsche anzutreffen. Was auch sonst. Die sind ja überall. Eine Mutter mit Ihrer Tochter stand dort und ich denke sie waren überraschter als ich, das Sie jemand in Deutsch ansprach. Sie waren auf einem Roadtrip durch Ostaustralien und kamen gerade aus Neuseeland. Wir hielten einen kurzen Plausch und ich wusste sofort, dass sie aus anderen Gründen hier sind als ich. Ich erzählte ihnen von meiner Reise und was ich hier mache. Als ich erwähnte, dass ich sechs Tage in Brisbane bleiben würde um mir die Stadt anzuschauen, konnten Sie es nicht verstehen. "Was macht man denn sechs Tage dort?", wurde erwidert. Als Deutscher und als richtiger Tourist versucht man natürlich so viel wie möglich zu sehen und kann keine Minute genießen, damit man zu Hause davon berichten kann. Sie sind auch keine fünf Minuten auf dem Gipfel geblieben, denn es gab ja noch so viel andere Sachen zu sehen. Obligatorisches Foto für das Album und tschüss.
Viele Leute können die schönen Momente gar nicht wahrnehmen, da diese immer im Hinterkopf haben, was man noch alles erleben muss, damit man die Reise als erfolgreich beschreiben kann. Das finde ich immer sehr Schade, denn für mich sind diese Momente das wichtigste, denn diese prägen einen. Man kann sich auch mal auf dem ausruhen was man erreicht hat und muss nicht sofort weiter. Wie siehst du das? Ist es wichtig seine Bucket-List abzuhaken oder sollte man die schönen Momente solange auskosten wie es geht?
Nach einer Stunde in der Sonne mit dem schönsten Ausblick des Tages machte ich mich auf den Rückweg, nach unten. Ich entschied mich, entgegen des ursprünglichen Planes, zu den Bergen weiter hinten im Landesinneren zu laufen, da diese von dort oben so schön aussahen. Unten angekommen sah ich ein Schild, welches mir sagte, was für Tiere hier leben.

Koalas? Bären? Hier? Wahnsinn. Damit hätte ich ja nie gerechnet. Im diesem Moment überlegte ich mir, was ich denn alles noch nicht von diesem Ort weiß. Vielleicht gibt es hier Schlagen, Raubkatzen oder metergroße Spinnen. Ich wusste es einfach nicht. Ich bin losgelaufen wie auf einen Tagestrip auf die Elbhänge. Gut Wasser hatte ich genug dabei, das habe ich bei den anderen Wanderungen gelernt, aber weder ein Taschenmesser noch eine Taschenlampe waren an Board. Im Nachhinein gesehen war das schon ein wenig nachlässig, aber es ging ja irgendwie und später ist man schließlich immer schlauer. Ab da hielt ich die ganze Zeit Ausschau nach Koalas, aber das Glück wird mir heute verwehrt bleiben. Dennoch waren die Eindrücke gigantisch.

Also Nichts wie los, wieder auf die menschenleeren Straßen, Richtung Berg Nummer Zwei, dem Mt. Beerwah.

Diese Geschichte gibt es aber erst im nächsten Post.

Schreib mir bitte jederzeit per Mail oder Kommentar, Liebesbrief oder Flugpost, wenn du Anmerkungen und Kritik loswerden möchtest.

Wie immer sage ich vielen Dank fürs Lesen und für die gute Begleitung auf meinem Weg.

Liebe Grüße,

Paule.